skip to content
 
 
 

SpVgg Wart-Ebershardt:

„Des Kigga em Flegga muaß uffhöra.“ oder: Wie eine negative Stimmung sich in einen Glücksfall verwandelt.

Allabendliche Szene 1957 an der Kreuzung vor der Kirche und der Molkerei sowie im angrenzenden Hof von Bauer Stoll: Einige Lausbuben und einige ältere Burschen, allesamt Höfleskicker und Straßenfußballer - kicken auf der Straße – ja, dies war damals noch möglich -, auch Ebershardter Burschen waren häufig zu Gast. Man hätte manchmal leicht drei Mannschaften aufstellen können.

Nicht alle Warter Einwohner waren mit dieser Kickerei einverstanden. Auch gab es öfters Ärger mit der anliegenden Gaststätte „Linde“ der Anna Roller. Nachdem sich eines Abends ein Ball durch das gerade offen stehende Fenster in den Gastraum verirrte, ganz nebenbei die Theke abräumte, weiter durch die geöffnete Flurtüre segelte und schließlich im WC landete, machte sich nicht nur bei Anna Roller, sondern auch im Gemeinderat immer mehr die Stimmung breit: „Des Kigga em Flegga muaß uffhöra.“ Sollte diese Stimmung, also ein Verbot etwa der Anlass für eine Vereinsgründung sein? Ja, in Wart-Ebershardt war es so. Relativ rasch entstand die Idee, einen richtigen Fußball-Verein zu gründen. Um an Ligaspielen aber teilnehmen zu können, benötigte man einen Sportplatz, den man im Wendener Feld (Auffüllplatz) bauen wollte. Rudolf Volz spielte selbst nie Fußball. Doch er, Eugen Roller und Erich Hartmann waren die treibenden Kräfte, die den Verein gründen wollten. Je deutlicher eine Vereinsgründung Gestalt annahm, desto mehr wurden die drei „Gründungskräfte“ dann plötzlich auch von Bürgermeister Pammersberger und den Gemeinde-Vätern unterstützt.

Auf den 1. Mai 1958 wurde die Gründungsversammlung vor allem von Erich Hartmann mit der Unterstützung von Rudolf Volz und Eugen Roller in den Saal des Gasthofes „Traube“ einberufen. Erster Vorsitzender wurde Emil Hinz aus Wart, sein Stellvertreter und somit zweiter Vorsitzender wurde Werner Claas aus Ebershardt. Die Position des Hauptkassiers übernahm Gotthilf Kübler aus Wart, zum Schriftführer wurde Rolf Rentschler aus Wart gewählt. Auf dieser Gründungsversammlung wurden wegen der Erfolge der damaligen Nationalmannschaft als Vereinsfarben schwarz-weiß festgelegt.

 

Im gleichen Jahr wurde auch der Spielbetrieb auf dem Platz in Martinsmoos, wo es, wie in jenen Tagen üblich, noch keine Tornetze gab, die Tore mit Maschendraht bespannt waren. Bereits 1961 wurde die erste Mannschaft Pokalsieger der C-Klasse, unterlag aber im Bezirkspokalendspiel dem höherklassigen FV Calw. Von nun an galt die Mannschaft für einige Jahre als der „ewige“ Zweite, die immer ganz knapp den Aufstieg verfehlte. In dieser Zeit diente als Umkleidekabine die Backstube bei Willi Dürr, wo für die „Dusche” ein Zuber Wasser bereit stand. Als Vereinslokal war von Anfang an das Gasthaus „Traube“ auserwählt. Doch war man mit dieser Lösung nie so richtig zufrieden. Der Verein wollte seinen eigenen Sportplatz, der im Gewann „Vogelherd“ auf Ebershardter Markung entstehen sollte. Ab 1960 konnte der Sportplatz „Vogelherd“ genutzt werden, als Umkleidekabine wurde 1962 die heute noch stehende Hütte beim Sportplatz 1962 in Eigenarbeit errichtet. 1976 wurde die Fluchtlichtanlage eingeweiht, 1981 konnte dann endlich nach vielen Eigenleistungen von Mitgliedern das Sportheim fertig gestellt und eingeweiht werden.

 

Da die Spielvereinigung in den 80er-Jahren neben den Aktiven Mannschaften auch mehrere Jugendmannschaften in den Wettbewerb schickte, war der obere Sportplatz völlig überlastet, sodass ein Ausweichplatz errichtet werden musste. Bis zur Einweihung dieses Rasenplatzes 1989 wurde von den wenigen Helfern viel Schweiß vergossen. Einen der Höhepunkte im Leben des Vereins nach dem ersten Aufstieg in die A-Klasse im Jahr 1984 stellte das Spiel am 29. Juli 1990 gegen die Bundesligamannschaft Borussia Mönchengladbach dar. Auch wenn es mit 0:15 verloren ging, war es ein unvergessliches Ereignis. Nach Ab- und Aufstiegen in den 80er- und 90-Jahren gehört die erste Mannschaft seit 1996, mit einer kurzen Unterbrechung von zwei Jahren, durchgehend der A-Klasse an. Die lange Zeit in der A-Klasse hängt mit der ausgezeichneten Jugendarbeit der SpVgg zusammen, die auch für die Zukunft durch den Zusammenschluss mit der Jugendabteilung der SpVgg Berneck-Zwerenberg einen geregelten und erfolgreichen Spielbetrieb erwarten lässt.

 

Ein weiteres Highlight im Leben der Sportler der SpVgg war auf jeden Fall die Reise der Aktiven in die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 2005, welche auf Einladung des ehemaligen 1. Vorsitzenden Dieter Pirk, der zu jener Zeit aus beruflichen Gründen mit seiner Familie in den USA lebte, zustande kam. Im Jahre 2008 konnte schließlich das 50-jährige Bestehen des Vereins mit einer Vielzahl von Veranstaltungen gefeiert werden. Höhepunkte waren sicherlich der zentrale Festakt, welcher am 19.04.2008 unter großer Beteiligung der Vereinsmitglieder im CCW in Wart stattfand, die Jubiläums-Sportwoche Ende Juni, sowie das Theater im Freien, mit welchem das Jubiläumsjahr am 06.09.2008 seinen Abschluss fand.

 

Die jüngste Zeit war vor allem durch den kompletten Umbau des Sportheims geprägt. Nach einjähriger Bauzeit und der enormen Mithilfe zahlreicher Vereinsmitglieder wurde es schließlich im Mai 2011 in einer Feierstunde seiner endgültigen Bestimmung übergeben. Die zuletzt vorgenommene Erweiterung des Sportgeländes der Spielvereinigung um ein Kleinspielfeld mit Flutlicht auf der bisherigen Wiese neben dem Sportheim ist der äußerst positiven Entwicklung des Nachwuchsspielbetriebs geschuldet und verschafft diesem mehr Spiel- und Trainingsmöglichkeiten. Nach ebenfalls einjähriger Bauzeit wird es im Frühjahr 2016 in Betrieb genommen.

 

Doch nicht nur Fußballer bestimmen das Programm der SpVgg Wart-Ebershardt. Bereits 1979 wurde mit der Gründung der „Frauen-Turngruppe“ ein zweites wichtiges Standbein errichtet, dem aber erst 1987 die „vollwertige Mitgliedschaft“ mit der Aufnahme der Abteilungsleiterin in den Vorstand zuerkannt wurde. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erhalten durch geeignete Übungsleiterinnen eine ausgezeichnete Ausbildung in „Mutter-und-Kind-Turnen“, Kinderturnen, Spielgruppen, Rücken-Gymnastik und Power-Gymnastik, Frauen Fitness, Stepp-Aerobic und Nordic Walking. Das Breitensport-Programm wurde 1999 durch den Radtreff, 2002 durch eine Volleyball-Gruppe, 2006 durch eine Tanzgruppe für Kinder/Jugendliche, 2012 durch die Trendsportart Zumba sowie 2014 durch die Tischtennisgruppe ergänzt.

 

 

 
Kübler Holztechnik Sasto Design
Sport Grimm H. Großmann